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Leitartikel

Ich bete darum, dass eure Liebe immer noch reicher werde an Erkenntnis und aller Erfahrung.

(Philipper 1,9; Monatsspruch Juli)

 

Liebe – mehr als ein Gefühl!

 

Liebe – da denken wir doch zuallererst an Gefühl, an Zuneigung, daran, jemanden ganz besonders zu mögen. Zwei Menschen verlieben sich ineinander – da spielt doch auch das Gefühl eine große Rolle.

Eltern lieben ihre Kinder, später als Großeltern auch ihre Enkelkinder. Und umgekehrt ist es ebenso.

 

Hier wird das Wort „agape“ gebraucht. Da geht es nicht in erster Linie um Liebe zwischen zwei Menschen, nicht um Gefühlsregungen und Sympathien. Es geht um Gottes grenzenlose barmherzige Liebe. Eine Liebe, die allen Menschen gilt. Die soll auch in der Gemeinde in Philippi wachsen. Das Wort, das hier mit Erkenntnis übersetzt wird, wird im Neuen Testament meist im Sinne der Anerkennung des Willens Gottes, die im Verhalten des Erkennenden wirksam wird, gebraucht. Das

zweite Wort wird mit „Erfahrung“ übersetzt. Es hat auch die Bedeutung von Urteilsvermögen und Feingefühl.

 

In anderen Worten: Liebe zu Menschen wird größer, je mehr ich von Gott erkenne und lerne, mein Leben nach seinen Werten zu gestalten. Das führt auch dazu, dass ich nicht ein schnelles Urteil über einen Menschen fälle, sondern die Fähigkeit in mir heranwächst, nicht vorschnell Menschen „in eine Schublade“ zu packen. Und dass ich lerne, in der Begegnung Feingefühl zu entwickeln – also nicht meine Gedanken und das, was mir jetzt wichtig ist, unbedingt loswerden muss, sondern auch den

anderen im Blick habe.

 

Wenn ich diesen Weg einschlagen will, dann hat das auch gute Folgen für mich. So geht es nämlich weiter:

 

Philipper 1,10 Dann werdet ihr ´in allem` ein sicheres Urteil haben und werdet ein reines, untadeliges Leben führen, bereit für den Tag, an dem Christus wiederkommt. 11 Durch ihn, Jesus Christus, wird euer Tun von dem geprägt sein, was gut und richtig ist – zum Ruhm und zur Ehre Gottes.

 

Wer sich also wünscht, nicht falsche Urteile und Vorurteile zu fällen, wer Gott rühmen und ehren möchte, der muss Gottes Gedanken kennenlernen und daran arbeiten, Menschen mit Feingefühl zu begegnen.

 

Wie geht das? Paulus meint „durch ihn, Jesus Christus“. Das ist nämlich auch seine ganz persönliche Erfahrung:

 

Philipper 1, 8 Gott weiß, wie sehr ich mich nach euch allen sehne; er ist mein Zeuge. Er weiß auch, dass hinter dieser Sehnsucht meine tiefe Liebe zu euch steht, eine Liebe, die Jesus Christus selber in mir gewirkt hat.

 

 

Die Nähe zu Jesus verändert. Dazu kann das Gespräch mit ihm gehören, das Kennenlernen seiner Gedanken durch Beschäftigung mit der Bibel und durch das Gespräch mit anderen Menschen. Vielleicht ist die Urlaubszeit dazu eine gute Gelegenheit.

 

Jürgen Tibusek

Der Monatsspruch für den Monat Mai lautet:

Eure Rede sei allezeit freundlich und mit Salz gewürzt. (Kolosser 4,6)

 

Ich glaube, dass dieser Satz des Paulus ein bemerkenswerter Satz ist, der vielen Christen bekannt ist. Paulus schreibt diese Worte im Zusammenhang mit dem Gespräch über den christlichen Glauben. Im vorhergehenden Vers heißt es:

 

Kol. 4,5 Verhaltet euch klug im Umgang mit denen, die nicht zur Gemeinde gehören. Wenn sich euch eine Gelegenheit bietet, ´euren Glauben zu bezeugen,` dann macht davon Gebrauch.

 

Eure Rede sei allezeit freundlich!

Gespräche über den Glauben können in unterschiedlichsten Situationen entstehen. Oft werden es angenehme Gespräche sein. Aber manchmal können hier auch kontroverse Meinungen so aufeinander prallen, dass es manchem schwerfällt, die Ruhe zu bewahren. Erschreckend (oder sollte ich schreiben „beschämend“?) ist für mich hier das Wort „allezeit“. Wenn da „in der Regel“ stünde, könnten sich die

meisten wahrscheinlich beruhigt zurücklehnen. Aber allezeit? Auch dann, wenn ich ungerecht behandelt wurde? Auch dann, wenn ich persönlich auf infame Art und Weise angegriffen wurde? Auch dann, wenn jemand über mich oder Menschen, die ich liebe, Gerüchte verbreitet hat? Auch dann, wenn ich angebrüllt wurde? Man kann sich doch schließlich nicht alles gefallen lassen!

Nun, freundlich zu sein heißt ja nicht, dass man sich alles gefallen lässt. Freundlich sein bedeutet nicht, niemals zu widersprechen. Freundlich sein heißt nicht, dass man nicht für die Wahrheit eintreten darf, wenn Unwahrheit verbreitet wird. Im griechischen Originaltext steht hier „in Gnade“. Gnade ist dann möglich, wenn jemand etwas falsches gesagt oder getan hat. „In Gnade“ sein bedeutet demnach, den anderen nicht wegen seiner tatsächlichen oder vermeintlichen falschen Sichtweise oder des bösartigen Verhaltens ein und für allemal zu verurteilen. "In Gnade" bedeutet auch, dass ich keine vorschnellen Verurteilungen ausspreche, offen bin für Fragen und persönliche Nöte des anderen. Es bedeutet aber auch, Zurückhaltung zu üben, wenn mich etwas ärgert, ich aber eigentlich wenig Ahnung von der Thematik habe. Gerade in der relativen Anonymität der sozialen Netzwerke erlebt man immer wieder, dass Menschen boshaft und menschenverachtend ihre Vorurteile in die Welt hinausschreiben – und gar nicht merken, wie viel Unwissenheit sie demonstrieren. Ungewollt sind sie sich selber gegenüber ungnädig, fügen sich und ihrem Ruf Schaden zu. So kann es oft gut sein, erst einmal dem anderen

zuzuhören, zu erfahren, was er denkt und glaubt.

 

Freundlich sein, das bedeutet auch, andere nicht zu schnell in eine bestimmte Schublade zu stecken, nicht vorschnell zu urteilen oder Pauschalurteile zu übernehmen. Es bedeutet, Respekt vor den Menschen zu haben, mit denen ich rede. Respekt bedeutet, dass ich mich nicht über andere erhebe.

Wenn ich mich für Respekt entscheide, werde ich nicht über das Denken und den Glauben anderer lächeln. Ich werde Respekt haben vor jedem Äußerung spirituellen Hungers, vor Sehnsucht und Fragen der Menschen.

Was es bedeutet, freundlich zu reden, zeigt auch der zweite Teil des Satzes.

 

Eure Rede sei mit Salz gewürzt!

Ein gut gesalzenes Essen ist nicht fad oder langweilig, aber auch nicht versalzen, sondern geschmackvoll in Gehalt und Gestalt! Der andere soll Appetit bekommen. Ihm soll das Leben nicht versalzen werden! Es darf gut schmecken. Christsein ist etwas Spannendes. Es ist kein geschmackloses Evangelium, das wir anzubieten haben. Dabei ist es wichtig, zu vermitteln, dass Evangelium vor allem Beziehung zu Jesus ist. Es geht nicht um Besserwisserei, auch nicht um die Summe der Dinge, die man als Christ nicht darf. Gesprächspartner müssen in ihrer Persönlichkeit ernstgenommen werden. Sie dürfen kritisieren und Fragen stellen – auf die ich auch antworten darf, dass ich die Antwort nicht weiß.

Gemeinsam über Gott und die Welt nachzudenken und Fragen nachzugehen „schmeckt“ besser, als von oben herab angepredigt zu werden.

 

Das mag manchem alles als sehr schwierig erscheinen, und das ist es auch. Wir feiern im Juni Pfingsten, weil der Heilige Geist, der genau so ist wie Jesus, in uns wohnt. Er ist unser „parakletos“ – unser Helfer, Ratgeber, Fürsprecher. Wir sind nie allein, denn Gott ist durch seinen Geist bei uns und steht uns auch in

unseren Gesprächen bei. Er liebt mit Sicherheit die Menschen, denen wir begegnen; er hat die richtigen Worte für sie. Wenn wir ihm vertrauen, können andere durch uns Jesus begegnen.

Jürgen Tibusek

Mit Durchblick leben!

„Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?

Er ist nicht hier, er ist auferstanden.“

Lukas 24, 5-6 (Monatsspruch April 2017)

 

Ihre Hoffnungen waren zerbrochen. Jesus war tot. Er hatte Israel nicht befreit. Die römische Besatzungsmacht, unterstützt von jüdischen Kollaborateuren, regiert immer noch. Nichts hatte sich geändert. Aber im Moment beherrschte sie noch die Trauer um Jesus. Gekreuzigt hatten sie ihn. Brutaler konnte Hinrichtung kaum sein. Nun waren sie am Grab, wollten den Leichnam salben. Aber der war nicht mehr da. Der Stein, der das Grab verschlossen hatte, war weggerollt. Ratlosigkeit machte sich bei den Fraue breit. Und dann standen da zwei Männer. Sie kannten sie nicht, es waren keine von denen, die wie sie mit Jesus durch Israel gezogen waren. Irgendwie schienen sie zu leuchten. Man konnte gar nicht richtig hingucken. Und sie sagten „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden.“

An falscher Stelle sucht ihr. Jesus findet man nicht bei den Toten, sondern bei den Lebenden. Da, wo er ist, geht es nicht zu Ende, sondern geht weiter.

Der Blick der Jüngerinnen Jesu war begrenzt. Er ging bis zum Ereignis von Golgatha und dann war Schluss.

Verständlich. Der Tod hat etwas Abschließendes, Endgültiges an sich. Da ist etwas ein und für allemal vorbei.

Die Männer sagen: Aber es ist nicht zu Ende! Und sie rufen den Frauen etwas in Erinnerung:

Luk. 24,6-7: „Gedenkt daran, wie er euch gesagt hat, als er noch in Galiläa war und sprach: Der Menschensohn muss überantwortet werden in die Hände der Sünder und gekreuzigt werden und am dritten Tage auferstehen.“

Jetzt fiel es ihnen wieder ein. Hinter „gekreuzigt werden“ war ja gar kein Punkt. Jesus hatte gesagt „Es geht weiter“.

Beides war real:

- Jesus war wirklich tot. Er hatte im Grab gelegen, sie hatten es selber gesehen; deswegen kamen sie ja nach dem Sabbat zurück, um seinen Leichnam zu salben.

- Ja, und Jesus war auch wieder lebendig geworden. Das Grab war jetzt leer. Und er hatte davon gesprochen, dass sein Tod nicht das Ende sei.

Mir fallen da ganz unterschiedliche Menschen ein.

Da sind die, die alles, was vor „…und am dritten Tage auferstehen“ steht, nicht wahrhaben wollen. Verlierer sein, umgebracht werden, Tod – das passt nicht in ihr Gottesbild und nicht in ihr Weltbild. Als ob in ihrer Bibel das Versprechen stünde, das Christen in eine problemfreie Zone versetzt würden und Gott sie vor der

Wirklichkeit einer gefallenen Welt abschottet. Ja, dass er im Gegenteil möchte, dass sie seine Liebe in diese gefallene Welt hineinbringen - zum Beispiel, indem sie Hungrigen Essen verschaffen, Migranten aufnehmen und Gefängnisinsassen besuchen. (Matth. 25, 35-36). Sie wähnen sich schon im Himmel und vergessen die

Wirklichkeit dieser Welt.

Und dann sind da diejenigen, die an der Wirklichkeit dieser Welt zerbrechen und keinen Ausweg mehr zu sehen scheinen. Die ratlos sind – wie die Jüngerinnen.

Sinnvoll und erfüllt leben bedeutet, beide Wirklichkeiten wahrzunehmen. Wir leben in einer Welt, die in Unordnung geraten ist. Es gibt Ungerechtigkeiten aller Art – nicht nur in gesellschaftlichen Systemen.

Menschen werden krank, von denen alle denken „Das hat er nicht verdient“.

Aber wir leben auch in einer Welt, in der der auferstandene Herr gegenwärtig ist. Selbst im Tod gibt es noch Hoffnung. Aufgeben lohnt sich nicht – wir dürfen mit dem Auferstandenen in die Zukunft gehen. Wir haben durch ihn Zukunft. Deswegen dürfen wir mit ihm und durch ihn eintreten für Menschen und Gottes Liebe

leben.

Jürgen Tibusek

Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.

Hesekiel 36,26

 

Veränderung, soweit sie uns persönlich betrifft, fällt uns schwer. „Ich bin eben so, wie ich bin!“ sagte mir jemand, mit dem ich über einige Dinge in seinem Verhalten ins Gespräch kam. Die anderen müssen sich eben an mich gewöhnen. Schließlich sind meine Ansichten gut durchdacht, und mein Wesen, mein Verhalten, hat sich über Jahre hinweg entwickelt. So soll es bleiben.

Der Prophet Hesekiel wurde von Gott „zu den abtrünnigen Israeliten und zu den Völkern, die von mir abtrünnig geworden sind“ gesandt. Gott sagte über sie, dass sie „harte Köpfe und verstockte Herzen“ (Hes. 2,4) haben. Er wollte ihnen helfen, nicht sie zu etwas zwingen. „Sie gehorchen oder lassen es – denn sie sind ein Haus des Widerspruchs -, dennoch sollen sie wissen, dass ein Prophet unter ihnen gewesen ist.“ Sie waren „ein Haus des Widerspruchs“ – hin und hergerissen zwischen ihrem Anspruch, Gottes Volk zu sein und ihrem Lebensstil. Sie diensten nicht Gott, sondern hatten sich Götzen geschaffen (Hes. 36,18). Damit hatten sie

den Namen Gottes entheiligt (Hes. 36,21).

In dieser Situation sagt Gott ihnen Hilfe, Vergebung, Reinigung und Erneuerung zu. Die Jahreslosung ist nur die Hälfte des Verses aus Hesekiel 36,26. So geht es weiter: „…und will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben. Ich will meinen Geist in euch geben und will solche Leute aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln und meine Rechte halten und danach tun.

Wenn wir sagen „er hat ein Herz aus Stein“, dann meinen wir, dass jemand gefühllos ist, erstarrt in Prinzipien und feststehenden Meinungen. Er ist unfähig, sich auf individuelle Situationen einzustellen und sich verändern zu lassen. Gott sagt, dass Stein zu Fleisch wird, nicht mehr wissen über Gott das Leben bestimmen wird, sondern durch seinen Geist eine enge Beziehung zu ihm bestehen wird und das dies ein verändertes an Gottes Werten orientiertes Leben bedeutet.

Ein Leben in Beziehung zu Gott, ein Leben, das von Gottes Geist geführt wird, bedeutet also, dass ich nicht meine Überzeugungen oder mein „Bauchgefühl“, zum Maßstab meines Denken und Handelns mache, sondern Gottes Gebote und sein Denken über Recht und Gerechtigkeit. Gottes Wille für Menschen ist nicht ihre Verdammung, sondern ihre Errettung. Er will Vergebung für Menschen, er will sie abbringen von der Verehrung falscher Götter (damit sind buchstäblich andere Götter gemeint, aber auch all das, was uns wichtiger erscheint als Gott). „Ich will reines Wasser über euch sprengen, dass ihr rein werdet; von all eurer Unreinheit und von allen euren Götzen will ich euch reinigen“ (Hesekiel 36,25). Von Gott erneuert zu werden, ist das Beste, was einem Menschen passieren kann. Wir sollten

dieses Angebot Gottes nicht verpassen, sondern uns gegenüber ihm, seinen Gedanken und seinen Werten, öffnen. Das bedeutet auch, uns selber in Frage zu stellen und unsere Beziehung zu ihm und zu Menschen immer wieder daran zu messen. Das bedeutet auch, offen für Veränderung zu sein beim Hören auf seine Worte, die uns in der Bibel überliefert werden, und im Gespräch mit anderen Menschen, die ihm nachfolgen möchten.

Jürgen Tibusek

Meine Seele wartet auf den Herrn

mehr als die Wächter auf den Morgen. (Ps 130,6)

 

Der Psalm 130 wird eingeleitet mit den Worten „Ein Wallfahrtslied, gesungen auf dem Weg hinauf nach Jerusalem“. Zu den großen Feiertagen zogen fromme Juden dreimal im Jahr an den großen Festen zum Tempel nach Jerusalem. Kamen sie wie Jesus aus Galiläa, waren sie gut eine Woche unterwegs, die letzte Etappe war der Aufstieg von zwölfhundert Höhenmetern durch die judäische Wüste, die erst unmittelbar an der Stadtgrenze endet. Nach großer Anstrengung war man nun am Tempel, dem Ort, an dem Gott in besonderer Weise gegenwärtig war, angekommen – angetrieben von der Sehnsucht, in Gottes Nähe zu sein.

 

Der Vers 6 verstärkt dieses Bild der Sehnsucht nach Gott – „Meine Seele wartet auf den Herrn mehr als die Wächter auf den Morgen“. Eine Stadt wie Jerusalem musste nachts bewacht werden. Nachts, im Dunkel, war die größte Gefahr. Aber die Wächter wussten, bald kommt das Licht. Die Zeit der größten Bedrohung und Gefahren ist dann vorbei. Ihre Schicht war zu Ende, sie konnten nun zur Ruhe kommen.

 

Im Psalm schreit jemand „aus der Tiefe“. Er ist sich seiner Sünde bewusst, er weiß aber auch, dass es bei Gott Vergebung gibt (Vers 4). Mit Gott kommt Licht in die Dunkelheit eines Lebens, in die Dunkelheit der Welt. Er ist „immer wieder bereit, uns zu erlösen“ (Vers 7).

 

In einem anderen Psalm wird das so ausgedrückt: Denn sein Zorn währet einen Augenblick und lebenslang seine Gnade. Den Abend lang währet das Weinen, aber des Morgens ist Freude. (Ps. 30,6) Diese Worte verwendete der evangelische Journalist und Schriftsteller Jochen Klepper (1903 – 1942) in seinem bekannten Weihnachtslied „Die Nacht ist vorgedrungen, das er 1937, in der wohl dunkelsten Zeit der Geschichte Deutschlands, verfasste.

 

Die Nacht ist vorgedrungen,

der Tag ist nicht mehr fern.

So sei nun Lob gesungen

dem hellen Morgenstern.

Auch wer zur Nacht geweinet,

der stimme froh mit ein.

Der Morgenstern bescheinet

auch deine Angst und Pein.

 

Dem alle Engel dienen,

wird nun ein Kind und Knecht.

Gott selber ist erschienen

zur Sühne für sein Recht.

Wer schuldig ist auf Erden,

verhüll nicht mehr sein Haupt.

Er soll errettet werden,

wenn er dem Kinde glaubt.

 

In der fünften Strophe des Liedes heißt es:

 

Gott will im Dunkel wohnen

und hat es doch erhellt.

 

 

Egal, ob wir dabei an Dunkelheit in uns selbst denken oder ob uns eine scheinbar zunehmende Dunkelheit im Weltgeschehen ängstig –

 

Gott lässt uns im Dunkel nicht allein.

 

In Christus ist er in die Dunkelheit der Welt hineingekommen. Er bringt Licht in die Welt, er schenkt Gnade. Mit ihm ist es niemals hoffnungslos. Weihnachten erinnert uns daran -Gott ist da. Er kommt und er schenkt einen neuen Tag. Weihnachten zeigt uns, dass Gottes Licht in unser Leben strahlt und immer ein neuer Aufbruch möglich ist. Öffne dich für Gottes Licht – dann kannst du auch ein wenig Licht in diese Welt hineinbringen.

 

Ich wünsche eine gesegnet Advents- und Weihnachtszeit

 

Jürgen Tibusek

Vorwort Juli/August 2016

 

Der Herr gab zur Antwort: Ich will meine ganze Schönheit vor dir vorüberziehen lassen und den Namen des Herrn vor dir ausrufen. Ich gewähre Gnade, wem ich will, und ich schenke Erbarmen, wem ich will. (2. Mose 33,19)

 

Gott antwortet auf eine Frage Moses‘. Mose errichtete sich ein Zelt vor dem Lager der Israeliten, das er „Zelt der Begegnung mit Gott“ nannte. (2. Mose 33, 7.8) Das ganze Volk schaute ihm hinterher, immer, wenn er zu diesem Zelt ging. Eine Wolkensäule kam dann heran, blieb vor dem Zelt stehen, und Gott redete mit Mose. Die warfen sich Menschen anbetend vor dem Eingang ihrer Zelte nieder.

Mose hingegen sprach mit Gott. (Vers 9-11) Gott nennt Mose seinen Vertrauten. Da platzt es aus Mose heraus: „Lass mich doch den Glanz deiner Herrlichkeit sehen!“ (Vers 18) 

 

Er darf Gott näher sein als jeder andere Mensch. Niemand kann auf so direkte Weise mit Gott reden wie er. Auch nicht sein Diener Josua, der das Zelt in Moses‘ Abwesenheit bewachte. Aber Mose will noch mehr. Und Gott lässt sich auf Moses Bitte ein. In seiner ganzen Schönheit will er sich zeigen, allerdings nur im Vorbeigehen, denn niemand kann Gott ins Angesicht sehen, ohne zu sterben (V.20).

 

Mose hatte nicht begriffen, dass Gott für uns gar nicht fassbar ist. Er übersteigt alles, was wir kennen und was wir uns in den kühnsten Phantasien vorstellen können. Er sagt Mose, dass er nur einen indirekten Eindruck von Gottes Größe und Macht bekommen kann. Er darf ihm im Vorbeigehen nachschauen, entdecken, wo er sich gezeigt und seine Spuren hinterlassen hat.

 

Er zeigt sich vor allem in seiner Gnade und seinem Erbarmen. Und darüber bestimmt nur er.

 

Ein erstaunlicher Text, der zeigt, dass es gar nicht möglich ist, zu behaupten, man wisse genau, wer und wie Gott ist. Auch nicht, wie Gott handelt. Viele würden das gerne. Und manches wissen wir natürlich auch. Jesus hat uns viele Facetten des Wesens Gottes vor Augen geführt. Wenn wir auf ihn schauen, der alle Sünde auf sich nahm, um Menschen zu erlösen, nehmen wir etwas von Gottes Gnade und Erbarmen wahr, etwas von Gottes Schönheit, Herrlichkeit und Allmacht. Und das sollte uns ermutigen, ebenfalls gnädig und erbarmungsvoll zu handeln. Nicht verurteilend und richtend. Nicht als die, die ganz genau wissen, wie Gott ist und wie er Menschen sieht. Gott ist kein Gott für unsere Hosentasche, er ist unendlich Herrlich, so dass wir es überhaupt nicht verkraften könnten, ihn ganz zu erkennen. Der Reformator Johannes Calvin schreibt zu diesem Text:

 

„Darum verwehrt uns Gott die völlige Erkenntnis seiner Person und offenbart sich uns nur so weit, als es möglich ist, ja er richtet sich mit dem Maß seines Lichtes nach unserer Fassungskraft und nimmt eine Gestalt an, die wir ertragen können.“ 1 

 

Unser Wissen über Gott, unsere Erfahrungen mit ihm, können nur Stückwerk sein. Darum sollten wir uns darin zurückhalten, anderen gegenüber als die aufzutreten, die alles besser wissen. Und sie stattdessen durch uns etwas von der Barmherzigkeit Gottes erkennen zu lassen, die wir erfahren haben. 

 

Gottes Schönheit ist seine Gnade und seine Herrlichkeit ist sein Erbarmen. Wo uns das klar wird, haben wir entdeckt, was wir von Gottes Wesen erfahren können. Und wo wir erbarmungsvoll und gnädig handeln, da spiegelt unser Leben ein wenig von Gottes Schönheit und Herrlichkeit in dieser Welt wider.

 

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1 Johannes Calvins Auslegung der Heiligen Schrift. Neukirchen: Verlag der Buchhandlung des Erziehungsvereins.
Neukirchen, o.J. Bd. 3, S. 122.

Monatsspruch Mai 2016

 

Wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch

wohnt und den ihr von Gott habt? Ihr gehört nicht uns selbst.

1. Korinther 6,19

 

Dieser Satz steht in einem abschnitt, in dem Paulus die Freiheit der Christen behandelt. Er beginnt mit den Worten:

 

1.Kor. 6,12 »Alles ist mir erlaubt!« ´Wer so redet, dem antworte ich:` Aber nicht alles, ´was mir erlaubt ist,` ist auch gut ´für mich und für andere`. – »Alles ist mir erlaubt!« Aber es darf nicht dahin kommen, dass ich mich von irgendetwas beherrschen lasse.

 

In der griechischen Welt, zu der die Hafenstadt Korinth gehört, galt der menschliche Körper als unwichtig. Das hier gebrauchte griechische Wort „soma“. Es wurde nicht nur für beseelte Körper gebraucht, sondern auch für tote Gegenstände. Der griechische Philosoph Plato sah Körper als das, was beim Tod die Seele freigibt, als das Grab, das Gefängnis oder die Muschelschale der Seele. Für Aristoteles war der Körper der Stoff, aus dem die Seele den Menschen formt. 

 

Im Alten Testament wurde das ganz anders gesehen. Dort gibt es kein Wort für „Leib“. Der Mensch „hat“ nicht Fleisch und Seele, er ist Fleisch und Seele. Er existiert nur als solche Einheit.

 

Bei Paulus ist demnach hier keine Leibfeindlichkeit zu entdecken, sondern eine Aufwertung des Leibes. Ja, er gehört nicht nur unauflöslich zum Menschsein dazu – sonst wäre im Neuen Testament nicht die Auferstehung des Leibes ein wichtiges Thema – er ist sogar „Tempel des Heiligen Geistes“.

 

Damit ist der menschliche Körper nicht ein unnützes vergängliches Ding, mit dem wir machen können, was wir wollen, weil er ja sowieso verfällt. Der Körper ist wichtig, er grenzt einerseits mein Ich von anderen ab, ist andererseits mit Augen, Ohren, Händen und Füßen das Kommunikationsmittel, das mich gegenüber anderen öffnet. 1 Und den christen teilt paulus mit, dass in ihnen der Geist Gottes wohnt.

 

Paulus stellt fest:

1Kor. 6,13 ´Ihr sagt:` »Das Essen ist für den Magen da und der Magen für das Essen, und dem einen wie dem anderen wird Gott ein Ende bereiten.« ´Einverstanden,` aber ´das heißt noch lange nicht, dass wir mit unserem Körper machen können, was wir wollen`. Der Körper ist nicht für die Unmoral da, sondern für den Herrn, und der Herr ist für den Körper da ´und hat das Recht, über ihn zu

verfügen`.

 

Paulus geht aber noch weiter. Dieser individuelle Leib gehört zum Leib Christi. Auch hier zeigt sich die alttestamentliche Denkweise, nach der der einzelne mit seinem individuellen Leib vom ganzen des Volkes nicht abgegrenzt wird. Gott stellt Individuen in sein Volk. Deswegen gilt unserem Leib eine doppelte Verantwortung: Durch den Missbrauch unseres Leibes (Paulus erwähnt in 1. Kor. 6 neben dem Essen auch die Prostitution bzw. den sexuellen Verkehr mit einer Prostituierten) wird nicht nur unserem eigenen Körper Schaden zugefügt, sondern auch dem Leib Christi. Gott gibt unserem Leib unendlichen Wert. Lasst uns dafür dankbar sein und mit unserem Leib so umgehen, wie es gut für ihn ist. Das gilt für unseren individuellen Körper, das gilt auch für den Leib Christi.

 

Jürgen Tibusek

 

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1 Balz; Schneider. (Hrsg.). Exegetisches Wörterbuch zum Neuen Testament. 3. Aufl. Stuttgart 2011. Bd. III, Sp. 774.

Endgültig!

 

Hebr. 10,14 Denn mit diesem einen Opfer hat er alle, die sich von ihm heiligen lassen, völlig und für immer von ihrer Schuld befreit.

 

Der Autor oder die Autorin des Hebräerbriefes schreibt diesen Satz in einem längeren Abschnitt, in dem die alttestamentlichen Tieropfer dem Tod Jesu gegenübergestellt werden. Im Kultus des jüdischen Volkes brachten die Priester immer wieder Opfer, die zur Vergebung der Sünde dienten. Durch die ständige Wiederholung der Opferhandlungen wurden Menschen daran erinnert, dass niemand von ihnen vor Gott schuldlos ist (Hebr. 10, 1.2).

Alle sind nach den Maßstäben eines heiligen Gottes Sünder (Röm. 3,23). Aber das ist nicht geschrieben worden, um uns in Angst und Schrecken zu versetzen oder damit wir ständig mit einem schlechten Gewissen herumlaufen. Es wird uns geschrieben, damit wir nicht mehr in Angst vor einen strafenden Gott leben müssen und uns von ihm angenommen wissen dürfen. In Hebräer 10,14 ist von Jesus Christus die Rede. Der, in dem Gott Mensch wurde; der mit dem Vater eine vollkommenen Wesenseinheit darstellt. Er hat ein Opfer gebracht – sich selbst. 

Hebr. 10,10 Und weil Jesus Christus den Willen Gottes erfüllt und seinen eigenen Leib als 

Opfer dargebracht hat, sind wir jetzt ein für alle Mal geheiligt.

 

Auf die eindrücklichste Art und Weise hat er uns gezeigt, was er von unsrer Schuld hält. Sie zerstört, sie führt in den Tod. Je mehr Menschen sich von ihrem Schöpfer entfernen, desto mehr zerstören sie ihr eigenes Leben, das Leben anderer und Gottes Schöpfung. Und wenn er, der im Gegensatz zu allen anderen Menschen ohne jede Schuld war, stirbt, ist dies ein unschuldiges Opfer. Jesus ist eins mit Gott - er selbst, Gott, bringt seinen Leib als Opfer dar. Das kann er „durch den ewigen Geist“ (Hebräer 9, 14). Der dreieinige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist, opfert sich für uns, für dich und mich. Er zeigt uns: Ich weise dich nicht von mir ab, egal, was du getan hast, egal, wie du zu mir stehst. Du bist bei mir willkommen, ich betrachte dich als jemanden, der rein, der ohne Schuld ist. Und das ein für alle mal. 

Denn mit diesem einen Opfer hat er alle, die sich von ihm heiligen lassen, völlig und für immer von ihrer Schuld befreit. (Hebr. 10,14) 

 

Wer Gott in sein Leben einlädt, darf ohne Schuld vor ihn treten. Angenommen, und geliebt. Karfreitag weist uns hin auf Gottes grenzenlose Liebe. Egal, wie deine Biographie aussieht – du darfst zu ihm kommen; er wird dich annehmen. Ein für alle mal. 

 

Jürgen Tibusek

Er, der das Wort ist, wurde ein Mensch von Fleisch und Blut und lebte unter uns. Wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit voller Gnade und Wahrheit, wie nur er als der einzige Sohn sie besitzt, er, der vom Vater kommt.

Johannes 1,14

Ein Gott zum Anfassen

Warum feiern Christen eigentlich Weihnachten? Keine der anderen großen Weltreligionen feiert die Geburt ihres Gründers in diesem Ausmaß.

 

Im 1. Kapitel des Johannesevangeliums wird deutlich gemacht, warum. Gott wurde Mensch, er lebte mitten unter den Menschen. In Jesus sehen Menschen, wie Gott ist. In ähnlicher Weise heißt es im 1. Johannesbrief 1,1:

 

Von allem Anfang an war es da; wir haben es gehört und mit eigenen Augen gesehen, wir haben es angeschaut und mit unseren Händen berührt – das Wort des Lebens.

 

Gott begab sich auf die menschliche Ebene herab. Für viele Menschen ist es unvorstellbar, dass Gott sich auf diese Art und Weise erniedrigen könnte. Und doch war das von Anfang an die tiefste Überzeugung der Christen. Gott wollte den Menschen nicht fern bleiben.

 

Johannes spricht von Jesus als „dem Wort“, dem „Logos“. Nun bedeutet dieses Wort mehr als nur „Wort“. Es kann auch Geist und Vernunft bedeuten. Unser Wort logisch hat wohl hier seinen Ursprung. Der griechische Philosoph Heraklit (er lebte um 560 v. Chr. in Ephesus) meinte, der Logos sei der die Welt und Menschen beherrschende Geist Gottes. Die Stoiker, eine philosophische Strömung, die zur Zeit des NT Bedeutung besaß, meinten „ Der Logos, das Wort, die Vernunft, der Geist Gottes, herrschen über allem“. Der Logos galt als die Kraft, durch die Ordnung statt Chaos erhalten bleibt.

Johannes gebraucht also einen durchaus gebräuchlichen Begriff. Aber er behauptet Revolutionäres. Der Logos „wurde Fleisch und schlug sein Zelt unter uns auf“.

Das hat nichts mit kurzem Campingurlaub zu tun. Ein Zelt – das war für viele Menschen – und ist bis heute für viele Menschen im Orient – der Wohnsitz. Auch wenn er etwas zeitlich Begrenztes beinhaltet. Gott zieht zu den Menschen, damit sie erleben, wie er ist. Damit er für sie nicht ein abstrakter Begriff, etwas unendlich weit entferntes bleibt.

Da ist auf einmal nicht eine fern von uns befindliche, eher abstrakte Wahrheit. Da ist ein greifbarer Mensch.

In Jesus hat Gott eindrücklich deutlich gemacht, dass er nicht eine unpersönliche Macht ist, eine kosmische Energie, ein die Zusammenhänge der Welt regelndes und erhaltendes Prinzip, auch nicht ein fern von uns thronender Herrscher, sondern ein Du, ein Gegenüber. Wenn Christen beten, beten sie nicht zu jemandem, der weit weg ist. Sie rufen keine Macht an, sondern eine Person, den Vater im Himmel, der in Jesus Mensch wurde.

 

Gott will uns nahe sein. Gott weiß, wie Menschen leben und was sie erleben. Er sucht auch heute unsere Nähe. Wir feiern an Weihnachten die Menschwerdung Gottes, die Selbsterniedrigung Gottes. Wir feiern, weil Gott Gemeinschaft mit uns sucht. Wir feiern, weil seine Liebe allen Menschen gilt. Weihnachten ist ein Liebesgeständnis Gottes an uns –aber auch die Herausforderung, seine Liebe an andere, ebenfalls von ihm geliebte Menschen weiterzugeben, die davon noch nichts wissen.

 

Jürgen Tibusek

Leitwort für den September 2015

Mt. 18 3 und sagte: »Ich versichere euch: Wenn ihr nicht umkehrt und wie die Kinder werdet, könnt ihr nicht ins Himmelreich kommen.

 

Die Jünger Jesu wollten wissen, wer der „Größte im Himmelreich“ ist. Ob da wohl ein interner Machtkampf im Gange war? Wer kommt bei Gott wohl am besten an – oder: Wer ist besonders gesegnet?

 

Jesus gibt eine merkwürdige Antwort. Zuerst holt er ein Kind und stellt es in ihre Mitte. Kinder galten als Gottesgeschenk, aber auch als kleine unfertige Erwachsene. Das Himmelreich ist nur einem Kind zugänglich, stellt er fest. Die griechische Sprache hat mehrere Worte, die wir mit Kind übersetzen. Das hier gebraucht Wort bedeutet  ein kleines Kind oder ein Neugeborenes. Also einen Menschen, der auf Hilfe angewiesen ist; der sich dessen bewusst ist, dass er allein nicht zurechtkommt.

 

Wir wissen nicht, was die Jünger für eine Antwort erwartet hatten. Vielleicht dachten sie an jemanden mit „besonders großem Glauben“, mit „besonders großem Wissen“ oder mit „außerordentlicher sozialer Kompetenz“. Jesus sieht das wohl anders. Groß ist der, der weiß, dass er noch lange nicht alles kann und weiß. Auch kleine Kinder  können ein – gesundes – Selbstbewusstsein haben. Aber sie sind auch in der Lage,

sich bemerkbar zu machen, wenn sie auf Hilfe angewiesen sind. Und sie stellen Fragen, wenn sie etwas nicht wissen oder verstehen. Sie schämen sich nicht wegen ihrer Begrenzungen. Und ihnen ist bewusst, dass man nicht weiterkommt, wenn man alles alleine regeln möchte. Das ist wahre Größe!

 

Um diese Größe zu erlangen, müssen wir umkehren. Akzeptieren, dass wir ein wertvoller Teil von Gottes Welt sind, aber eben nur ein teil. Wahrnehmen, dass wir auf andere angewiesen sind. Das Menschen in ihrer Vielfalt einander ergänzen und bereichern.

 

Jürgen Tibusek

 

 

In jener Zeit kamen die Jünger zu Jesus und fragten: »Wer ist eigentlich der Größte im Himmelreich?« Jesus rief ein Kind, stellte es in ihre Mitte und sagte: »Ich versichere euch: Wenn ihr nicht umkehrt und wie die Kinder werdet, könnt ihr nicht ins Himmelreich kommen. Darum: Wer sich selbst erniedrigt und wie dieses Kind wird, der ist der Größte im Himmelreich. Und wer solch ein Kind um  meinetwillen aufnimmt, der nimmt mich auf.«

Monatsspruch Juli 2015

Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein; alles andere stammt vom Bösen. Mt 5,37

Wie schön wäre es doch, wenn dieser Satz Jesu in unserer Gesellschaft Wirklichkeit wäre! Aber nicht nur in der Politik wird es mit der Wahrheit nicht so ganz ernst genommen. Wie gerne reden wir uns doch heraus, wenn wir etwas vergessen oder verschlampt haben. Wer wird schon gerne bei einem Fehler erwischt. 

Da gab es auch zu Zeiten Jesu den Schwur. Man wusste, Menschen sagen nicht immer die Wahrheit. 

Jesus sagt in Matthäus 23, 16-19 zu den Pharisäern: 

 

Wehe euch, ihr verblendeten Führer! Ihr sagt: ›Wenn jemand beim Tempel schwört, braucht er seinen Eid nicht zu halten; wenn jemand aber beim Gold des Tempels schwört, ist er an seinen Eid gebunden.‹  Ihr verblendeten Toren! Was ist denn wichtiger, das Gold oder der Tempel? Durch den Tempel wird das Gold doch erst geheiligt. Ihr sagt auch: ›Wenn jemand beim Altar schwört, braucht er seinen Eid nicht zu halten; wenn jemand aber beim Opfer auf dem Altar schwört, ist er an seinen Eid gebunden.‹ Wie verblendet ihr seid! Was ist denn wichtiger, das Opfer oder der Altar? Durch den Altar wird das Opfer doch erst geheiligt.

 

Jesus weist hier auf das Absurde dieser Bräuche hin. Keiner weiß mehr so genau, ob das Gesagte nun wahr ist, ob sich jemand wirklich zu etwas verpflichtet, oder ob er sich eine Hintertür offenhält, um sich seinem Versprechen zu entziehen. 

Der griechische Dichter Sophokles (497 –406 v. Chr.) lässt Ödipus zu Theseus sagen: „Nicht unter Eid wie einen Falschen nehm ich dich“. Auch er merkte, wie absurd es ist, zwischen Wahrheit und Wahrheit unter Eid zu entscheiden. 

 

Jesus macht deutlich: Ihr sollt immer die Wahrheit sagen. Ihr sollt nicht um die Wahrheit herum reden. Ihr sollt Menschen sein, bei denen man weiß, dass das, was sie sagen, auch so ist. Ihr sollt euer Wort halten – nicht nur, wenn ihr es feierlich beeidet, sondern immer! Oder anders ausgedrückt: Ihr sollt zuverlässig sein. Wenn ihr sagt „Ich komme“, dann sollte euer Gesprächspartner wissen, dass ihr kommt – und nicht, dass ihr vielleicht kommt, vielleicht aber auch nicht. 

 

Das Zusammenleben von Menschen, nicht nur in der Gemeinde, gelingt viel besser, wenn wir wissen, dass wir uns aufeinander verlassen können. Das heißt auch, dass wir einander vergeben, wenn einmal jemand versagt hat – und dass der Versager daraus lernt. 

 

Jürgen Tibusek

Ist Gott für uns, wer kann wider uns sein? (Röm. 8,31) (Monatsspruch März 2015)

„Gott mit uns“ stand auf den Koppelschlössern der Soldaten zu Kaiser Wilhelms Zeiten.

„Mit Gott auf unserer Seite“ ist auch ein Liedtext von Herbert Grönemeyer überschrieben. Darin nimmt er die Selbstgerechtigkeit vieler Menschen aufs Korn, die ihre Lebensart für die einzig richtige halten.

Als Paulus diese Worte schrieb, hatte er eine ganz andere Situation im Blick. Viele Christen wurden verfolgt, manche hatten ihr Leben verloren, weil sie Christen waren. Ein Bekenntnis zu Christus war nicht einfach und etlichen Christen ging es überhaupt nicht gut. Ihnen spricht Paulus diese Worte zu. In der Neuen Genfer Übersetzung werden diese Worte so widergegeben:

Gott ist für uns; wer kann uns da noch etwas anhaben?

Nicht selbstherrliche und machtgierige Rechthaber hat Paulus im Blick, sondern verfolgte, leidende Christen in großer Not. Ihnen erklärt er, warum sie nicht zu verzweifeln brauchen:

  • Christus ist für uns gestorben, mit ihm wird uns alles geschenkt, was wir brauchen (Vers 32)

  • Wer Jesus glaubt, ist Erwählte(r) Gottes, Gott hat seine Erwählten für gerecht erklärt (das heißt, ihre Sünde ist vollständig vergeben) (Vers 33)

  • Christus ist nicht nur für uns gestorben; er ist auferstanden und tritt für uns ein (Vers 34)

  • Von der Liebe Christi kann uns nichts trennen, auch nicht Not, Angst, Verfolgung, Hunger, Entbehrungen, Lebensgefahr, das Schwert ´des Henkers. Paulus schreibt dazu: ´Mit all dem müssen wir rechnen,` denn es heißt in der Schrift: »Deinetwegen sind wir ständig vom Tod bedroht; man behandelt uns wie Schafe, die zum Schlachten bestimmt sind.« (Röm. 8,36)

Paulus behauptet nicht, dass Christen vor Verfolgung, Leid und Schmerzen verschont bleiben. Er macht keine falschen Versprechungen. Aber er macht deutlich, dass nichts und niemand sie endgültig zerstören kann. Wer zu Gott gehört, der bleibt in seiner Hand, egal was kommt.

Manche von uns haben noch in den letzten Jahren sehr persönlich erlebt, was Verfolgung ist. Und sie leiden nun wiederum unter langen Wartezeiten, fadenscheinig begründeten Abschiebungsdrohungen und unverständlichen Formularen.

Andere leiden unter Krankheit, familiären Situationen, Arbeitslosigkeit. Das ist Wirklichkeit in unserer Welt und vieles können wir nicht „einfach so“ ändern.

Ich finde es gut, dass Paulus uns nichts vormacht. Er vermittelt kein „Wohlfühlevangelium“, er bleibt realistisch. Und trotzdem weiß er von Hoffnung. Egal, was kommt, wir bleiben gehalten von Gott. Egal, was geschieht – er liebt uns und sorgt dafür, dass wir von ihm nicht getrennt werden können. Deswegen kann er voller Überzeugung ausrufen:

Röm. 8,37-39 Und doch: In all dem tragen wir einen überwältigenden Sieg davon durch den, der uns ´so sehr` geliebt hat. Ja, ich bin überzeugt, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch ´unsichtbare` Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, noch ´gottfeindliche` Kräfte, weder Hohes noch Tiefes, noch sonst irgendetwas in der ganzen Schöpfung uns je von der Liebe Gottes trennen kann, die uns geschenkt ist in Jesus Christus, unserem Herrn.

 

Jürgen Tibusek 

Nehmt einander an wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob.

Römer 15,7 (Jahreslosung 2015)

Neutestamentliche Gemeinde ist einladende Gemeinde. Sie geht davon aus, dass Gott jeden Menschen liebt und will, „dass alle Menschen gerettet werden und dass sie die Wahrheit erkennen“. (1. Tim. 2,4) Niemand ist von Gottes Liebe ausgeschlossen, alle dürfen zu ihm kommen. Und sie müssen nicht vorher ihr Leben in Ordnung bringen oder gar in eine christliche Schablone eingefügt werden. „Jesus, zu dir kann ich so kommen wie ich bin!“ heißt es in einem bekannten christlichen Lied.  Und wir freuen uns, wenn Menschen kommen und den Schritt zu Jesus tun.

 

Aber dann? Christen sind und bleiben unterschiedlich. Die Frömmigkeitsstile, die Theologien, ethische Themen – oft sind Unterschiede nicht nur von einer Gemeinde zur anderen, sondern innerhalb einer Gemeinde zu finden. In der Jahreslosung für 2015 werden wir aufgefordert, einander anzunehmen, wie Christus uns angenommen hat. So, wie wir sind. Voller Barmherzigkeit; liebevoll, nimmt er Menschen an. Sie müssen nicht perfekt sein, er verlässt sie auch dann nicht, wenn sie fallen. Darum sind wir aufgefordert, gestrauchelte Menschen mit zerbrochenen Träumen und ungeraden Lebenswegen anzunehmen und wieder aufzurichten.  Zerbruch, Niederlagen und Schuld müssen nicht das Ende sein, sondern können zum Anfang einer neuen, viel tieferen Gottesbegegnung werden – wenn Menschen Annahme erfahren.

 

Paulus fordert uns auf, andere so anzunehmen, wie Christus uns angenommen hat. Das, was wir persönlich erlebt haben, dürfen wir weitergeben. Christliche Gemeinde hat von Gott die Verantwortung anvertraut bekommen, Menschen anzunehmen. Sie müssen nicht vorher werden wie wir. Sie müssen auch nicht anschließen werden wie wir. Gottes Volk ist bunt. Gemeinde wird belebt durch Menschen, die anders sind, anders denken. Durch Menschen, die nicht aus Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinden, noch nicht einmal aus einer christlichen Kirche kommen. Sie sind nicht „vorbelastet“. Sie stellen Fragen, über die andere noch nie nachgedacht haben. Sie fordern uns heraus, unseren Glauben neu zu überdenken, unseren Lebensstil in Frage zu stellen. Sie fordern uns heraus, den Unterschied zwischen dem, was christlich ist und dem, was einfach nur christlich angestrichene Tradition ist, zu erkennen. Und dann selber neu zu denken. Was könnte uns Besseres passieren?

 

 

Jürgen Tibusek

Alle Jahre wieder

der gleiche Stress vor dem Weihnachtsfest. Da gibt es bis kurz vor der Bescherung noch soviel zu erledigen: Geschenke kaufen und einpacken, Weihnachtskarten schreiben und – päckchen verschicken, Tannenbaum kaufen, aufstellen und schmücken, alle Zutaten für das köstliche Weihnachtsessen, die ganze Kocherei, ... Und alles muss natürlich dieses Jahr ganz perfekt sein. Jedes Jahr wieder das gleiche Lied: wir schuften bis zur Besinnungslosigkeit anstatt dass wir uns besinnen auf das Eigentliche.

 

Das Eigentliche? Was war das noch mal? Ach ja, die Weihnachtsgeschichte - na, das kennen wir doch in- und auswendig: diese Weihnachtsgeschichte hören wir doch jedes Jahr – immer wieder das Gleiche – LANGWEILIG!

 

Ja, das ist langweilig. Das muss ich zugeben. Es bleibt auch langweilig, wenn wir diese Geschichte nur als ein historisches Ereignis sehen, an das wir jedes Jahr einmal denken. In diesem Sinne wäre das Weihnachtsfest tatsächlich nur eine langweilige Gedenkfeier. Es ist ja jedes Jahr das Gleiche ohne irgendeine Veränderung. So gesehen, ist Weihnachten langweilig.

 

Der Psalmist jedoch betet: „Öffne mir die Augen, damit ich die Wunder erkenne, die dein Gesetz enthält“. (Psalm 119, 18).

 

Ich möchte diesen Vers auf unsere Situation heute und unseren Umgang mit dem Weihnachtsfest so ausdrücken:

 

Öffne mir die Augen, damit ich dieses Weihnachtswunder immer wieder erkenne, welches vor 2000 Jahren in Bethlehem geschehen ist.“

 

Öffne mir die Augen, damit ich auch heute immer wieder sehe, wo Weihnachten für einen Menschen ganz persönlich wird, wo jemand Jesus in sein Herz hineinlässt, wo eine geistliche Geburt heute geschieht.“

 

Nichts von dem ist normal, was Weihnachten damals war und heute ist. Weder die Geburt Jesu Christi vor 2000 Jahren, noch die Neugeburt Jesu in menschlichen Herzen heute. Weder das eine noch das andere konnten oder können wir tun. Das lag und liegt außerhalb unserer Machbarkeit. Das ist ein Geschenk und - es ist ein Wunder. Aber sehen wir dieses noch als Wunder an oder sind wir schon so „betriebsblind“ geworden, dass wir es nicht mehr erkennen. Das hat Jesus auch einmal bei seinen Jüngern beklagt: „Ihr habt doch Augen, warum seht ihr denn nicht?“ (Markus 8,18). Das gibt es also schon länger: Blindheit für geistliche Dinge bei gesunden Augen.

So ist das Gebet aus Psalm 119 eine gute Bitte, die auch wir heute immer wieder an Gott richten sollten: „Öffne mir die Augen!“

 

In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern „offene Augen“ und ein Wunder-Reiches Weihnachtsfest.

 

Gunnar Lawrenz

Lernt Gutes zu tun! Sorgt für das Recht! Helft den Unterdrückten! Verschafft den Waisen das Recht, tretet ein für die Witwen!

Jesaja 1, 17 – Monatsspruch November

 

Der Monatsspruch des Monats November ist eine große Herausforderung. Wenn man ihn im Zusammenhang liest, wird noch deutlicher, worum es hier geht. In den vorhergehenden Versen richtet Gott das Wort an sein Volk:

Jesaja 1,11 Was soll mir die Menge eurer Opfer? spricht der HERR. Ich bin satt der Brandopfer von Widdern und des Fettes der Mastkälber! Blut der Farren, Lämmer und Böcke begehre ich nicht! 12Wenn ihr kommt, um vor meinem Angesicht zu erscheinen, wer fordert solches von feuren Händen, daß ihr meine Vorhöfe zertretet?13 Bringet nicht mehr vergebliches Speisopfer! Räucherwerk ist mir ein Greuel! Neumond und Sabbat, Versammlung halten, Frevel und Festgedränge mag ich nicht! 14 Eure Neumonde und Festzeiten haßt meine Seele, sie sind mir zur Last geworden; ich kann sie nicht mehr ertragen.

15Und wenn ihr eure Hände ausbreitet, verhülle ich meine Augen vor euch, und wenn ihr auch noch so viel betet, höre ich doch nicht; denn eure Hände sind voll Blut!

Das Volk diente Gott. Sie brachten die Opfer dar. Sie kamen vor sein Angesicht – sie feierten Gottesdienst und beteten Gott an. Sie hielten die vorgeschrieben Feiertage. Sie erhoben die Arme und breiteten ihre Hände anbetend vor Gott aus. Und Gott sagt, er wolle ihre Opfer nicht. Dass sie zum Gottesdienst erscheinen, empfindet er als ein sinnloses Zertreten der Tempelvorhöfe. Auch Speisopfer, Räucheropfer, Halten der Festtage kann er nicht mehr ertragen. Und ihre Gebet hörte er auch nicht mehr.

Was war das Problem? Gott hatte all das doch angeordnet. Er wollte Opfer, er hatte die Feiertage eingesetzt, er wollte „Gottesdienst“, er lud ein zum Gebet. Warum war das jetzt auf einmal alles verkehrt? Die nächsten Worten machen  klar: Es war verkehrt, weil das Leben des Volkes Gottes zeigte, dass sie ihre Opfer, ihre Anbetung, ihre Gebete nicht ernst meinten; es war nur Heuchelei. Gott fordert sie auf, sich zu ändern:

 

Jesaja 1,16Waschet, reiniget euch! Tut das Böse, das ihr getan habt, von meinen Augen hinweg, höret auf, übelzutun! 17Lernet Gutes tun, sorgt für das Recht, helft den Unterdrückten! Verschafft den Waisen Recht, tretet ein für die Witwen!

 

Ihr ganzer „Gottesdienst“ geschah offenbar nur, um selber schöne „fromme“ Gefühle zu erleben. Und da muss Gott klar stellen, worum es ihm eigentlich geht. Er erwartet nicht, dass sie auf einmal alles richtig machen. Sie sollen lernen. Wahrer Gottesdienst ist es, seinen Geschöpfen zu dienen. Sie sollen lernen, ihre Gesellschaft nach Gottes Werten zu gestalten – Gutes tun, für Gerechtigkeit sorgen. Da, wo „helft den Unterdrückten“ steht, heißt es wörtlich „tretet den Gewalttätigen entgegen“. Waisen und Witwen waren die ärmsten der Gesellschaft, diejenigen, die keinen mehr hatten, der für sie eintrat. Die Hinwendung zu mir, machte Gott deutlich, wird erkennbar daran, dass ihr euch von einer selbstverliebten  Frömmigkeit abwendet und euch denen zuwendet, die Hilfe brauchen.

Volk Gottes ist nie nur für sich da, sondern für die Welt. In der Vergangenheit bezeichneten manche Christen sich selber als die „Stillen im Lande“. Das Gegenteil soll der Fall sein. Christen sollen die „Lauten im Lande“ sein. Sie sind aufgefordert, für Gerechtigkeit zu kämpfen, sich um Menschen zu kümmern, denen Unrecht geschieht, der Ungerechtigkeit entgegenzutreten, denen ein Zuhause zu sein, Familie zu sein, die keine Familie mehr haben.

Und Gott sagt auch, wie wir neu anfangen können:

Jesaja 1,18 Kommt doch, wir wollen miteinander rechten, spricht der HERR: Wenn eure Sünden wie Scharlach sind, sollen sie weiß werden wie der Schnee; wenn sie rot sind wie Purpur, sollen sie wie Wolle werden.

Da, wo wir zu Gott umkehren und seinen Werten – zum Beispiel Liebe, Barmherzigkeit – zu unseren machen wollen, erfahren wir auch Vergebung unserer Vergangenheit. Da, wo wir bereit werden, uns anderen zuzuwenden, erfahren wir Zuwendung Gottes. Gemeinde ist nicht zur eigenen Erbauung da, Gemeinde ist dazu da, Gottes Liebe in diese Welt hinein zu leben. 

 

Jürgen Tibusek

Sei getrost und unverzagt, fürchte dich nicht und lass dich nicht erschrecken! (1. Chr. 22,13; Monatsspruch September 2014)

David sagt in 1. Chronik 22 diese Worte zu seinem Sohn Salomo. Ein Tempel sollte in Jerusalem gebaut werden. David hat schon viel vorbereitet, viel Material herangeschafft. Aber Gott hatte David gesagt, dass er den Tempel nicht bauen solle, da er ständig Kriege geführt und viel Blut vergossen habe. Davids Sohn Salomo solle den Tempel bauen.

 

David teilt das Salomo mit, erzählt ihm, was Gott ihm gesagt hat. Und er fährt fort:

 

Nun ist es soweit, mein Sohn! Der Herr, dein Gott, stehe dir bei, damit dir der Bau seines Tempels gelingt, wie er es zugesagt hat. Der Herr, dein Gott, gebe dir Klugheit und Einsicht! Er wird dich zum Herrscher über Israel einsetzen mit dem Auftrag, dass du sein Gesetz genau befolgst. Wenn du alle Gebote und Vorschriften beachtest, die er Mose für das Volk Israel gegeben hat, wirst du Erfolg haben. Lass dich nicht beirren und hab keine Angst, sondern sei mutig und entschlossen.“ (1. Chr. 22,11 - 13, Gute Nachricht)

 

Ich bewundere David. Er konnte abgeben. Schließlich hatte er Steinhauer angestellt, die die Steine für den Tempel vorbereiten sollten; Eisen (für Nägel) und Bronzen herbeischaffen lassen, gutes Holz kommen lassen (Vers 2-5). Alles war bestens geplant. Aber ohne jede Bitterkeit gibt David den Auftrag zum Tempelbau an Salomo weiter. Letztendlich setzte er ihn sogar als König ein (1. Chr. 23,1). Er gibt die Verantwortung ab. Er riskiert es, dass sein Sohn Dinge anders macht, als er sie gemacht haben würde. Er hat nicht mehr das Sagen.

 

Für mich ist das auch ein Bild für die gesunde Entwicklung einer Gemeinde. Jeder hat von Gott eine Gabe und damit auch eine Aufgabe erhalten. Natürlich braucht man, wenn man eine Aufgabe übernimmt, Unterstützung, Anleitung. Das kann durch erfahrenere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gemeinde geschehen; aber auch durch die Angebote des Gemeindejugendwerks, des Landesverbandes Südwest und des Bundes. Gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wissen, dass Lernen gut ist. Und sie legen wie David Wert darauf, ihre Erfahrung und ihren Wissensschatz nicht für sich zu behalten, sondern andere mit ins Boot zu nehmen. David ermutigt mit den Worten des Monatsspruches Salomo. Er zeigt ihm, dass er ihm die Übernahme von Verantwortung zutraut.

 

In unserer Gemeinde ist vieles in Bewegung. Viele arbeiten an verschiedenen Stellen mit. Im Herbst werden wir mit ca. 6 – 8 jungen Menschen (ca. 12 – 14 Jahre) aus den Gemeinden Linz, Andernach und unserer Gemeinde wieder einen Gemeindeunterricht starten können. Auch dafür suche ich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Und es gibt noch so manche anderen „Tempelchen“, die gebaut werden müssten. Ich mache Mut, sich einfach mal auf Neues einzulassen. Dabei soll niemand alleine gelassen werden, sondern jede mögliche Unterstützung, Schulung, Hilfe gegeben werden.

Jürgen Tibusek

 

Sommerzeit gleich Urlaubszeit

Du lässt Gras für das Vieh wachsen und Pflanzen, die der Mensch anbaut. Er pflügt das Land, sät und erntet; so hat er Wein, der ihn erfreut, Öl, das seinen Körper pflegt, und Brot, das ihn stärkt. (Psalm 104, 14.15)

"Dort sind große Fische, die du gemacht hast,

damit zu spielen." (Psalm 104, 26).

Der Psalm 104 preist Gottes Schöpfung und

lehrt uns, diese Schöpfung als Geschenk anzu-

nehmen. Gott hat geschaffen, damit wir uns

über seine Schöpfung freuen und sein Geschenk

genießen. Es ehrt den Schöpfer, wenn wir genau

das tun. Der Psalmist zeigt uns, dass es nicht immer

darum geht, „was dabei herauskommt“. Natürlich

kann man viele große Fische auch verwerten – ein

schönes Thunfischsteak von Grill ist ja nicht zu

verachten. Aber hier wird einfach vom Spielen

gesprochen. Gott gönnt uns Entspannung – einfach so.

Gott gönnt uns Genuss (Wein), Körperpflege (Öl) und

Essen (Brot). Gott gönnt uns Ruhe.

Natürlich geht dem Genuss auch Arbeit voraus. Pflanzen – Wein – müssen angebaut werden. Aber „nur Arbeit war sein Leben“ ist keine christliche Lebensführung. Gott möchte, dass wir die Früchte unserer Arbeit auch genießen können und dass wir uns ausruhen können.

"Es ist umsonst, dass ihr früh aufsteht und euch spät niederlegt und sauer erworbenes Brot esst; sicherlich gönnt er seinen Geliebten den Schlaf!" (Ps. 127,2)

In anderen Worten: Wer sich kein Ruhen, keinen Schlaf gönnt, wer meint, immer „rotieren“ zu müssen, der lebt vorbei an Gottes Schöpfungsordnung. Das gilt natürlich umgekehrt auch für denjenigen, der das „Pflügen, säen und ernten“ – die Arbeit – lieber vergisst und gleich zum entspannenden Teil des Lebens übergehen will.

Die Ferienzeit bietet vielen von uns die Gelegenheit, über Gottes Schöpfung zu staunen und sie zu genießen. Vielleicht bietet sich auch die Gelegenheit zu mancher Begegnung untereinander, Spielen muss ja keine einsame Sache sein.

Die Ferienzeit gibt uns aber auch Möglichkeiten der Begegnungen mit Gott. Das kann für den einen ein Gebet beim Anblick von Gottes herrlicher Schöpfung sein, wenn man durch unsere schöne Eifellandschaft wandert. Für den anderen ist es die Möglichkeit, an christlichen Urlaubsangeboten teilzunehmen und durch die Andachten Gott besser kennen zu lernen. Vielleicht kommt dann so mancher zu dem Fazit, das auch der Psalmist zieht:

Singen will ich für den Herrn, solange ich lebe, für meinen Gott will ich musizieren mein Leben lang. Wie freue ich mich über den Herrn - möge ihm mein Lied gefallen! (Psalm 104, 33.34).

 

Ich wünsche allen eine gesegnete Urlaubszeit

Jürgen Tibusek

Gottesdienst

jeden Sonntag

10:30

 

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